Zur Geschichte unserer Kirchengemeinde und ihrer Kirche

Vieles aus der ältesten Zeit unserer Gemeinde liegt im Dunkel und wird es vermutlich auch bleiben. Die 1200-Jahr-Feier im Jahr 2002 gründet sich auf eine 802 hier statt gefundene Vertragsunterzeichnung, nicht jedoch die schon viele Jahre weiter zurückliegenden Anfänge der Gemeinde.

Und ähnliches gilt auch für die Kirche, untergegangene kirchliche Gebäude, die Kirchengemeinde und deren Pfarrer.

Eine Kirche in Deißlingen ist erstmals für das Jahr 1275 belegt, zugleich mit der Nennung Katholische Kirche Deißlingen bis 1882des ersten Kirchherrn, eines Johannes von Blumberg. Damit ist aber nichts über Art und Intensität der Seelsorge in Deißlingen ausgesagt, da Kirchherren mit den tatsächlichen priesterlichen Aufgaben meist sogenannte Leutpriester beauftragten.
Daneben waren es Klöster, die - auch weit über ihre Aufgaben für die Gläubigen – hier Rechte und Obliegenheiten allgemeiner, insbesondere auch finanzieller Art ausübten. Zu nennen ist vor allem das Kloster Reichenau/Bodensee, dann aber auch das Deißlingen benachbarte ehemalige Reichsstift Rottenmünster.

Baujahr und Aussehen der ersten Kirche, spätestens seit 1346 unter dem Patrozinium von St. Laurentius, sind nicht bekannt. Eine neue Kirche wurde 1594 mit Plätzen für 350 Personen erbaut und 1781 für damals 450 Leute erweitert. Nur zwei Generationen später erwies sich die Pfarrkirche erneut als zu klein. Nach jahrelanger Vorbereitung kam es im Jahr 1880 zum Abbruch der alten Kirche und 1882 zur Fertigstellung des Neubaus, dem jetzigen über 1000 Plätze umfassenden Gotteshaus nach Plänen von Architekt von Hezinger, Rottweil. Die Kirche ist im neugotischen Stil als dreischiffige Säulenbasilika erbaut. Man erhöhte den alten Turm auf 56 m Höhe. Er ist der älteste Bauteil unserer Kirche.

Seit 1882 erfuhr das dominante ortsbildbeherrschende Gebäude mehrere gründliche Renovationen und Veränderungen: große Instandsetzungen nach Erdbeben 1896 und 1911, eine umfangreiche Innenrenovation und –modernisierung von 1939 bis 1946, 1960 zu guter Letzt eine weitere. Hiervon sind vor allem hervorzuheben die neuen Fenster und die großartige Chorwand, geschaffen vom einheimischen Künstler Romuald Hengstler. Zu erwähnen ist aber auch die von 1984 bis 1990 währende gründliche Instandsetzung des Turms.
Zur Historie der kirchlichen Gebäude gehört auch die 1818 abgebrochene Fronkirche in der Nähe der jetzigen Aubert-Schule. Auch die Aubertkapelle beim ehemaligen Aubertusklösterlein auf dem Kirch-berg ist nicht mehr. Sie wurde – schon dem Verfall preisgegeben – 1957 gar vollends abgebrochen. Dagegen steht die 1896 gestiftete Marienkapelle unterhalb des Scheibenbühls auch heute noch und wird wie eh und je gerne besucht.

Pfarrer Dr. Fridolin Huber, hatte die Pfarrstelle in Deißlingen von 1809 bis 1841Wir kennen die Namen der Pfarrer seit dem Mittelalter. Unter ihnen ragen zwei langjährige Seelsorger besonders hervor:
1. Pfarrer Dr. Fridolin Huber, geb. am 21. Oktober 1763 in Hochsal bei Waldshut, gestorben am 17. Dezember 1841 in Deißlingen. Er hatte die Pfarrstelle von 1809 bis 1841 inne und verdiente sich etliche hervorragende Prädikate: überzeugter Künder der Aufklärung, Förderer der Kindererziehung und des Schulunterrichts, soziales Engagement für Arme und Kranke, Schriftsteller, Modernisierer, überragend gebildeter Seelsorger.
2. Pfarrer und Dekan Alfons Stegmaier, geboren am 29. Mai 1920 in Bühlertann, Kreis Schwäbisch Hall, gestorben am 28. Juli 1999 in Deißlingen, hier Pfarrer von 1956 bis 1990. Er steht Dr. Huber wohl in zahlreichen Verdiensten nicht nach. Auch für ihn gilt: Seelsorge für alt und jung, „Bauherr“ (u.a. des Gemeindezentrum St. Laurentius in der Pfarrgasse), Forscher und Chronist der Geschichte Deißlingens, langjähriger Dekan des Dekanats Rottweil.

Die Geschichte unserer Kirchengemeinde und unserer Kirche ist aber mehr als all das: sie ist ein beträchtlicher Teil der Ortschronik über rund 1000 Jahre. Sie prägt das Aussehen Deißlingens durch dominante Gebäude und sie ist auch eine Leistung engagierter Bürgerinnen und Bürger!

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